Kapey
1950 bin ich in Hamburg geboren. Als es die ersten Klassensprecher-Wahlen in Hamburg gab, wurde ich von meinen Klassenkameraden / Klassenkameradinnen zur Klassensprecherin gewählt. Ich wollte gar keine Klassensprecherin werden, aber eine Schulfreundin hatte mich vorgeschlagen. Es wurden mehrere Klassenkameraden und Kameradinnen vorgeschlagen und ich bekam die größte Anzahl der Stimmen. Mich selber hatte ich nicht gewählt und hatte auch nicht damit gerechnet, gewählt zu werden.

Warum erzähle ich das hier? Weil es irgendwie entscheidend für mein weiteres Leben war. Als ich dann selber Kinder hatte und die in den Kindergarten kamen, damit ich halbtags arbeiten gehen konnte, wurde ich wieder bei Wahlen vorgeschlagen. Obwohl ich auch da keine Ambitionen auf das -Amt- hatte. So wurde ich Eltern-Vertreterin für unsere Kindergartengruppe. Bei der nächsten Wahl wurde ich in den Elternrat des Kindergartens gewählt. Dann kamen meine Kinder in die Schule und auch da hat man mich als Klassen-Elternvertreterin, ohne mein wirkliches Zutun gewählt. Vielleicht habe ich ein wenig zu viele Fragen auf den Eltern-Abenden gestellt und daher interessiert und engagiert auf die anderen Eltern gewirkt. Jedenfalls wurde ich dann noch in den Stadt-Elternrat von Hannover gewählt. Kurz darauf zogen wir nach Bayern um.

Dort habe ich auf den Elternabenden, so wie der größte Teil der anwesenden Eltern, meine Fragen -nicht- gestellt und bin ohne ein Amt durch die weitere Schulzeit gekommen. Inzwischen hatte sich -die Zeit- auch verändert und auf dem Gymnasium drängten sich viele der -studierten Eltern- um ein Amt. Im Glauben, dass sie für ihre Kinder dadurch einen Vorteil erlangten. Eher ein Amt für den eigenen Vorteil und weniger als Hilfe für die anderen Eltern.

Inzwischen waren meine Kinder alt genug, dass ich nicht nur halbtags arbeiten konnte und nahm eine Arbeit bei einem -Automobil-Zulieferer- in Bayern an. Nach ein paar Monaten wurde dort der erste Betriebsrat gewählt. Die Firma war verkauft worden und gehörte dann zu einem Konzern. Der frühere Besitzer hatte Betriebsratswahlen immer wieder verhindert und war -ein schwarzes Tuch- für die Gewerkschaft. Für den Konzern war es selbstverständlich, dass ein Betriebsrat gewählt wurde. Von Kolleginnen aus meiner Abteilung wurde ich immer wieder gebeten, mich für diese Wahl aufstellen zu lassen, was ich dann auch nach einiger Zeit tat. Es war eine -Listenwahl-, denn es hatten sich von den 1 000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen viele zur Wahl aufstellen lassen. Viele auch nur wegen der 6-monatige Kündigungsfrist der Kandidaten und Kandidatinnen die auf der Wahlliste standen.

Tatsächlich wurde ich über diese Liste in den Betriebsrat gewählt. Nach kurzer Zeit wurde ich zur stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden gewählt, nachdem der vorherige Stellvertreter kein Engagement zeigte. Bei der nächsten Wahl wurde ich die Vorsitzende und bei der Wahl für den Konzern-Betriebsrat und den Aufsichtsrat wurde ich die Konzern-Betriebsrats-Vorsitzende und auch in den Aufsichtsrat gewählt. Dann wurde in Schleswig Holstein eine zweite Firma gegründet und ich wurde zur Gesamt-Betriebsrats-Vorsitzende gewählt. In Schleswig Holstein waren nur Männer im Betriebsrat vertreten und sie haben mich zur Vorsitzenden gewählt. Das war für mich wirklich überraschend. Eine steile Karriere innerhalb einer kurzen Zeit. Mein Mann hat mich gerade in dieser Zeit ganz besonders unterstützt. Viele Kolleginnen und Kollegen haben mir später, für meinen Einsatz und meine viele Arbeit, die ich für sie erbracht habe, durch ihr persönliches Verhalten mir gegenüber und auch durch ihr Kreuz an meinem Namen, wenn es um eine Wahl ging, gedankt. Diesen Menschen war ich immer sehr dankbar. Denn dankbar zu sein und Dankbarkeit, Anerkennung und Unterstützung zu zeigen und zu geben, ist keine Selbstverständlichkeit, in einer Zeit die durch Neid, Hetze und Verunglimpfung von Personen geprägt ist. 

Herzlichst
ihre Karin Peyker



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